Einstein1 Jahr unter neuer Führung
Seit dem 01.07.2025 lenkt Achim Hager als ehrenamtlicher Geschäftsführer die Geschicke des Digitalen Gründerzentrums Einstein1. Ein Jahr voller Events, starker Netzwerke und wegweisender Weichenstellungen für die Startup-Region Hochfranken liegt hinter uns.
Wir haben mit Achim über die Highlights, die Herausforderungen und seine ganz persönliche Vision für das Einstein1 gesprochen. Seine Kernbotschaft? „Der Zufall braucht Gelegenheiten.“ Und genau diese Gelegenheiten schaffen wir hier jeden Tag aufs Neue.
Herr Hager, wenn Sie auf das erste Jahr zurückblicken: Was war für Sie der schönste Moment im Einstein1?
Es gab viele schöne Momente. Ein ganz besonderer war sicherlich der mit dem größten Symbolcharakter, als wir zusammen mit den Gesellschaftern und einigen Partnern aus Hochfranken unseren Stein eingeweiht haben. Ein Symbol für Stabilität und Wachstum und seither immer wieder ein gern genommenes Fotomotiv für unsere vielen Besucher und Teilnehmer hier im Einstein1.

Sie haben das Thema Gründergeist und Vernetzung immer wieder betont: Wo merken Sie im Alltag, dass das Haus wirklich lebt?
Der Austausch zwischen den Gründern, uns, der Hochschule und den Besuchern ist wichtig für eine gewisse Grunddynamik in einem solchen Haus. Das Grundproblem ist hierbei, dass wir im Vergleich zu den großen Digitalen Gründerzentren nur Platz für 8 Dauermieter haben. Hieraus entstehen natürlich wesentlich weniger tägliche Kontakte als anderswo, wo vielleicht, 20 oder 50 Start-Ups teilweise gemixt mit renommierten Unternehmen sitzen.
Mein Motto im Leben und das gilt im Speziellen eben auch hier: Der Zufall braucht Gelegenheiten. Wenn der Nukleus klein ist wie hier, sind die Gelegenheiten und damit verbunden die Zufälle, die man braucht für den richtigen Kontakt, geringer sind. Insofern ist es die essentielle Aufgabe von uns als Team, möglichst viele Veranstaltungen und hieraus Teilnehmer zu generieren, die für Kontakte sorgen im Hause. Das ist uns sehr sehr gut gelungen.
Gab es in den vergangenen 12 Monaten einen Moment, in dem Sie gedacht haben: Genau dafür lohnt sich das Ehrenamt?
Solche Momente gibt es immer wieder. Ich entwickle und fördere gerne Talente und freue mich, wenn sie aufblühen. Das gilt sowohl für meine Prokuristin Canan Tas, die hier täglich die Stellung hält und wirbelt, genauso wie für Jan-Lucas Menger, dessen Netzwerkmanagement-Arbeit jede Woche einen Event generiert und der zudem eine klasse Masterarbeit zur Weiterentwicklung des Standorts Einstein1 erst vor wenigen Wochen präsentiert hat, die ich begleiten durfte in der Entstehung und Ausrichtung.

Das Einstein1 wird öffentlich auch kritisch beobachtet: Wie gehen Sie persönlich mit solchen Diskussionen um?
Heutzutage und in finanziell engen Zeiten gibt es fast nichts, was nicht kritisch betrachtet wird. Wenn man etwas für eine Region bewegen will, dann darf man solche Entwicklungsmöglichkeiten nicht an sich vorbeiziehen lassen. Insofern beantworte ich kritische Fragen gerne. Die Landkreise Hof und Wunsiedel haben mit der Stadt Hof und der Hochschule die richtige Entscheidung getroffen, hier ein solches Zentrum zu bauen vor gut 5 Jahren.
Mit dem Bauen allein ist es aber nicht getan, es geht auch um die laufende Finanzierung. Der Freistaat schränkt die Möglichkeiten Einnahmen zu generieren sehr stark ein aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Vorgaben. Somit ist klar, die Gesellschafter müssen für eine angemessene dauerhafte Finanzierung sorgen. Das war für mich auch die Voraussetzung beim Handschlag als ehrenamtlicher und erstmalig unbezahlter Geschäftsführer hier die Führung und Haftung zu übernehmen.
Woran machen Sie fest, ob ein Gründerzentrum erfolgreich ist – an Zahlen, an Menschen oder an guten Geschichten?
Zuerst einmal sind Zahlen das Messbare. Wir hatten 2025 1100 Teilnehmer an unseren Netzwerkveranstaltungen, 2026 haben wir schon im ersten Halbjahr mehr als 800. Das ist sehr sehr erfolgreich gelaufen – und wir sind bis Jahresende gut durchgebucht noch. Als ich vor einem Jahr begonnen hatte, waren hier in den Sommermonaten keine 4 Veranstaltungen, nur um es mal zu vergleichen.
Gute Geschichten sind für mich, wenn wir Gründern helfen können, die nächsten Schritte zu gehen und das haben wir bei 15 bis 20 geschafft 2025, also entweder beraten oder zu BayStartUp begleitet oder noch weitergehend vernetzt, oft auch von Prof. Dr. Seidel hier im Haus begutachtet und gecoacht.

Welche Begegnung oder welcher Kontakt aus dem letzten Jahr ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Am 5. Februar als bei Achim and Friends II der bayerische Finanzstaatssekretär Tobias Gotthard in der Talkrunde seine Visitenkarte an die Wand warf und die 200 Gäste aufforderte, sich mit Problemen direkt an ihn zu wenden. Sowas hab ich in 30 Jahren, in denen ich ehrenamtlich auch in der Politik unterwegs bin, noch nie erlebt.
Was braucht ein junger Mensch mit einer guten Idee heute am dringensten, damit daraus wirklich ein Unternehmen werden kann?
Beratung, Evaluation und Motivation, natürlich auch eine Finanzierungsquelle am Ende. Für Letzteres bauen wir gerade unser Ökoystem aus und berufen in den kommenden Tagen erstmals einen Beirat in Einstein1, in dem eben nicht die üblichen Verdächtigen sitzen, sondern herausragende Führungspersonen aus Wasser, Energie, Zulieferer, Hochschule und Investmentfondsszene, alle mit Stallgeruch Hochfranken.
Wo hat sich das Einstein1 im letzten Jahr aus Ihrer Sicht am stärksten weiterentwickelt?
Ganz klar bei den Veranstaltungen, wo wir massiv zugelegt haben. Die Webseite haben wir selbst mit KI-Funktionen aufgepimpt, so dass man sich zu Veranstaltungen oder Firmen unsere Räume für deren Events komplett durchbuchen kann und mit Alberto unseren hauseigenen Chatbot angelegt, der alle möglichen Fragen zu Einstein beantworten und Aufgaben erledigen kann. Insgesamt ist KI ja überall präsent und eine Selbstverständlichkeit, dass wir hier mit gutem Beispiel vorangehen. Das Team ist komplett neu geformt, hochmotiviert und skilltechnisch nun ausbalanciert aufgestellt.
Welche Rolle spielt das Gründerzentrum Hof in der Region Hochfranken ganz persönlich für Sie?
Für mich ist es inspirierend hier bei den jungen kreativen Menschen zu sein, es vergeht kein Tag ohne eine gute Idee, kaum eine Woche, wo nicht eine spannende Idee zur Gründung auftaucht. Für Hochfranken ist es wichtig, dass hier insbesondere auch in der geglückten Verknüpfung mit der Wirtschaftsregion eine sehr in die Wirtschaft verzahnte Gesamt-Organisation entstanden ist, die Hand in Hand Themen spielen kann und Menschen zusammenbringt.
Ich wiederhole mich hier gerne, es sind oft die Zufälle, die es braucht, um eine Gründung zum Erfolg zu bringen neben all den guten Ideen und dem Einsatzwillen. Unsere Aufgabe ist es, diesen Zufällen möglichst viele Gelegenheiten zu geben, dass sie entstehen.

Wenn Sie auf das nächste Jahr schauen: Was möchten Sie unbedingt noch anstoßen oder ausprobieren?
Wir installieren gerade ein Video- und Audiostudio, um unseren Mietern und dem ganzen Ökosystem von Einstein1 Möglichkeiten zu geben, sich zu zeigen. Sei es mit kurzen Clips, Podcasts oder Live-Webinaren. Ich kann mir auch vorstellen, die eine oder andere Sendung zu moderieren, die zu unseren Themen passt, das ist ein stückweit meine Herkunft, Radio und Fernsehen. Hier habe ich mehr als 20 Jahre parallel zu meinen eigenen Gründungen mitgewirkt.
Was motiviert Sie selbst, diese Aufgabe ehrenamtlich weiterzumachen?
Es motiviert mich, wenn das Team wächst, sich weiter entwickelt und wenn ich sehe, wie ein Baustein nach dem anderen, den wir uns ausdenken, ineinander greift. Das sieht man vielleicht nicht sofort, aber wir legen immer mehr Grundsteine, die für die Wahrnehmung wichtig sind. Vernetzungen zu anderen Zentren, zu Finanzierern, zu anderen Institutionen, gemeinsame Events, Business-Plan-Wettbewerbe / Pitches – all das.

Zum Schluss ganz persönlich: Worauf sind Sie nach diesem ersten Jahr am meisten stolz?
Dass wir auf einem guten Weg sind mit den Gesellschaftern eine solide langfristige Finanzierung zu organisieren und damit auch die Fluktuation der zentralen Mitarbeiter zu vermeiden. Ein bisschen Wechsel bringt mit Sicherheit immer wieder neue Ideen, aber finanzielle Stabilität sind das A und O nach innen und nach außen, damit ein Kernteam sich auf das Wesentliche konzentrieren kann und das sollte nicht die Sorge um die Finanzierung sein.