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Robert Zahn: Der ungekrönte Stickmaschinenkönig
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Robert Zahn: Der ungekrönte Stickmaschinenkönig

Bis heute ziert sie manches Zimmer und verführt aufgrund des fragilen Aussehens dazu, sich ihr stets mit einer gewissen Achtung zu nähern; vorsichtig, beinahe andächtig nimmt man sie zwischen die Finger und wundert sich über die Handwerkskunst, die in ihr steckt. Die Rede ist von „Plauener Spitze“, die – anders, als viele denken – maschinell in unserer vogtländischen Nachbarstadt Plauen hergestellt wird und weltweite Bekanntheit besitzt. Die Grundlagen für diesen Erfolg lieferte der Münchberger Robert Zahn. Als Ingenieur, Konstrukteur und Fabrikbesitzer hatte er nicht nur elementaren Anteil an der Mechanisierung der Stickereiindustrie in Plauen ab 1883, sondern arbeitete auch ständig an der innovativen Weiterentwicklung der dafür notwendigen Maschinen.

 

Robert Zahn - Erfinder und Unternehmer aus Münchberg

Robert Zahn – Erfinder und Unternehmer aus Münchberg

Am 23. März 1861 erblickte er in Münchberg das Licht der Welt. Sein Vater, Christian Carl Zahn, war Textilfabrikant, die Mutter Margaretha Johanna Luisa stammte aus der Münchberger Fabrikantenfamilie Johann Jacob Jahreiß. Nach dem Besuch der hiesigen Volksschule und der Gewerbeschule in Hof begann Robert 1882 ein Studium am Technikum Mittweida, das er jedoch nicht abschloss. Schon ab 1892 arbeitete er als Techniker für die Stickmaschinenfabrik Kappel, ab 1894 für die Fa. Hielscher. Dort erwarb er grundlegende Maschinenbaukenntnisse und konnte bereits 1895 erste Reichspatente anmelden.

 

Ab 1896 war er für die VOMAG (Vogtländische Maschinenfabrik AG) in Plauen tätig. Bei einer daran anschließenden, dreijährigen Tätigkeit in der damals weltgrößten Maschinenstickerei Feldmühle in Rorschach erwarb er weitere wertvolle Kenntnisse im Maschinenbau. Nach seiner Rückkehr nach Plauen im Jahr 1900 ließ man dem begabten Konstrukteur, den man heute als Intrapreneur bezeichnen würde viele Freiheiten, ehe der Aufsichtsrat ihn 1904 gar zum Alleinvorstand bestellte.

 

Seine Ideen wurden beim Bau von Stick- und Rotationsdruckmaschinen berücksichtigt. Häufige Reisen in die unterschiedlichsten Stickereizentren der Welt verfeinerten Zahns Gespür für die besonderen Ansprüche des Textilproduktes und so gelang ihm die Weiterentwicklung der Schiffchenstickmaschine nach System des Schweizers Gröbli. Nach dem Abschluss eines exklusiven Lizenzvertrages zur Fertigung von Stickautomaten im Jahr 1900 konnte das Plauener Unternehmen zum weltgrößten Hersteller aufsteigen.

 

Zahns Ideenreichtum führte ab 1908 zu ständigen Verbesserungen der Gröbli-Stickautomaten, zum Erwerb entscheidender Patente, und schließlich ab 1910 zu einer Eigenkreation, dem Zahn-Automaten, der als „System Zahn“ erfolgreich vermarktet werden konnte. Die entscheidende Neuerung war dabei, dass er ohne Bedienung arbeitete. Fortan brauchte es demnach keinen Sticker mehr, der die Muster eingab und die Produktion überwachte, da die Maschine vollends automatisch die einzelnen Nadeln in Bewegung setzte.

 

Gesteuert wurden die Abläufe durch einen angeschlossenen Jacquardapparat, der mittels Lochkarten „programmiert“ worden war. Diese Überlegung revolutionierte nicht allein die Stickerei per se, sondern ermöglichte zudem auch den Ausbau der gesamten Textilindustrie im Vogtland. Und nicht nur dort: Innerhalb von nur drei Jahren konnten 2000 Stickautomaten dieses Typs weltweit verkauft werden und brachten der Spitze damit einen vorerst letzten Glanzpunkt in ihrer langen Geschichte. Durch die verbilligte Produktion war sie fortan zu erschwinglichen Preisen erhältlich und hielt infolgedessen Einzug in unzählige Wohnzimmer und gute Stuben.

 

1912 präsentierte das Unternehmen Feldmühle die weltweit erste Rotationsoffset-Maschine. Nur kurz konnte der seit Dezember 1913 zum zweiten Mal verheiratete Robert Zahn seinen Erfolg genießen: Am 21. Januar 1914 verstarb er unerwartet an den Folgen einer Darm-Operation in einem Leipziger Krankenhaus.

 

Martina Michel und Adrian Roßner

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Adrian Rossner

Jahrgang 1991, studierte Geschichte (Schwerpunkt fränkischer Landesgeschichte), Anglistik und Erziehungswissenschaften an der Universität Bayreuth. Er ist seit Jahren in der Heimatforschung des nordoberfränkischen Raums aktiv und bestellter Kreisarchivpfleger des Landkreises Hof, sowie Referent für Heimatpflege des Fichtelgebirgsvereins. Die Ergebnisse seiner Recherchen präsentiert er regelmäßig in Form von Vorträgen und Publikationen einem breiteren Publikum.

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