Digitalisierung in Dänemark: der Status Quo
Einstein1 Digitales Gründerzentrum > Allgemein  > Digitalisierung in Dänemark: der Status Quo
Digitalisierung in Daenemark Einstein1

Digitalisierung in Dänemark: der Status Quo

Digitalisierung in Dänemark im Jahre 2019 – wir befinden uns inmitten des Zeitalters der Digitalisierung. Im Berufsleben, sowie im Bereich des Öffentlichkeitssektors setzen die Dänen seit Jahren auf eine digitale Umstrukturierung.

 

Doch nicht nur das: das kleine skandinavische Land hält noch die ein oder andere Überraschung bereit. Alltägliche, vielleicht auch lästige Aufgaben werden vereinfacht und abgeschafft. Neue Dienste und digitale Lösungen erobern die Haushalte.

 

Die Skepsis gegenüber dem Neuen ist hier relativ gering – vielleicht einer der Gründe, warum die Dänen den meisten EU-Ländern in vielerlei Hinsicht weit voraus sind.

kreditkarte wird an Bezahlgerät gehalten

Bargeldloses Bezahlen ist eine der großen Bestandteile der Digitalisierung in Dänemark (Quelle: https://bit.ly/2FbKbCp)

Dänemark: der Weltmeister der Digitalisierung

 

Dänemark ist zum Weltmeister der Digitalisierung gekührt worden. Die Dänen belegen nach dem „DESI“, dem Digital Economy and Society Index, stolz den ersten Platz. Direkt gefolgt von Schweden, Finnland und den Niederlanden.

 

Kriterien der Studie sind unter anderem die Internetnutzung der Bevölkerung und zu welchem Zweck dies geschieht. Der Ausbau von Vernetzung und Breitbandanschluss im Land ist ein weiterer Punkt.

 

In der Studie wurden zudem 4G- und Mobilfunkausbau, sowie Initiativen und Lösungen für die Zukunft genau unter die Lupe genommen. Punkte, die sowieso Ziele der Digitalisierung in Dänemark sind.

 

Die digitale Grundstruktur im Land ist bereits vorhanden. Daher hat die dänische Regierung am 30. Januar 2018  selbst bekannt gegeben, dass sie bis 2025 eine Milliarde Kronen in einen weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Digitalisierung investieren möchte.

 

Das sind umgerechnet immerhin um die 134 Millionen Euro, die in weitere Digitalisierungsmaßnahmen fließen – und das in einem Land, das bereits jetzt auf einem weit besseren Stand ist als viele andere EU Staaten.

 

Das Geld soll unter Anderem in den Ausbau der digitalen Grundschule und der Erleichterung und Förderung der kleinen und mittelgroßen Unternehmen der IT Branche fließen.

'Wir leben in einem neuen Zeitalter. Die digitale Welle hat uns erreicht, das Tempo ist hoch. Die Digitalisierung bietet eine Unmenge an Möglichkeiten, doch die Entwicklung sollte zugleich allen zu Gute kommen.' – Friis Arne Petersen, dänischer Botschafter in Deutschland.

Digitalisierungsansätze und Pläne

 

Zusätzlich sieht die Regierung eine „Wachstum durch Daten“ Kampagne vor. Diese soll es dänischen Unternehmern ermöglichen, EU- und weltweit konkurrenzfähiger zu sein. Methoden und Maßnahmen wie diese stärken den dänischen Mittelstand und bietet neue Perspektiven und Möglichkeiten.

 

Mit Programmpunkten wie der „Digitalisierung zum Wohle der Verbraucher“ und eine „Regulierung, die neue Geschäftsmodelle ermöglicht“, wie die dänische Regierung sie nennt, werden alle Seiten gut und fair bedient.

 

Trotz der vielen Initiativen und Pläne wird betont, dass die Priorität der Digitalisierung in Dänemark immer auf dem Aspekt des Vertrauens zum Kunden liegen muss. Denn bei all dem, was sich ändert, sollte dennoch der Kunde im Vordergund stehen – Vertrauen zum Produkt besitzen.

 

In Dänemark werden eben nicht nur Pläne geschmiedet, die dann irgendwie umgesetzt werden. Nein, denn sie denken einen Schritt weiter: wie begeistern wir die Menschen für digitale Dienste?

 

Auf diese Frage gibt es ebenfalls eine ganz klare Antwort: der Gesetzgeber schreibt vor, dass eine gesunde Kommunikation mit dem Kunden sowie guter Support immer gegeben sein muss.

 

Das baut Vertrauen zum Produkt auf und reduziert die allgemeine Skepsis gegenüber neuen Dienstleistungen und digitalen Produkten.

Statistik des DESI 2018

Die Statistik des DESI 2018 (Quelle: https://bit.ly/1UPeUWV)

Digitalisierung in Dänemark: die Agenda 2016-2020

 

Im Jahr 2016, nach der Vorstellung der Digitalisierungsagenda 2016-2020, setzte sich das kleine skandinavische Land große Ziele – die jetzt bereits zum Großteil umgesetzt sind.

 

Der Ansatz: Digitalisierung in Dänemark für Bürger und staatliche Institutionen aller Ebenen zugänglich und zukunftssicher machen.

 

Mit dem Ziel, dass öffentliche Dienste einfach und schnell zugänglich sein müssen, leitet die dänische Regierung die Agenda ein. Eine einfache Sprache, die jeder versteht, sowie übersichtliche Benutzeroberflächen sollen Teil des digitalen Öffentlichkeitssektors sein. Eine hohe Transparenz und eine Personalisierung auf den einzelnen Bürger nicht ausgeschlossen.

 

Die Agenda zieht sich durch alle Regierungsebenen. Das bedeutet, dass die Verwaltung eines kleinen Städtchens genauso Aufgaben bekommt, wie die Landesregierung.

 

Weniger Hürden und Komplikationen in der Kommunikation der Bürger mit den staatlichen Einrichtungen, aber auch zwischen staatlichen Behörden – das steht hier sehr weit im Vordergrund.

 

Aspekte wie eine gute Benutzerfreundlichkeit und Datensicherheit müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Doch trotzdem soll jede digitale Initiative eine gute Grundlage für Wachstum bieten.

 

Hier gibt es übrigens mehr Informationen dazu: https://bit.ly/2IDN4iM

 

 

 

Digitalisierung im dänischen Öffentlichkeitssektor

 

Allein im Bildungsbereich setzen die Dänen bereits seit einigen Jahren auf eine digitale Umstrukturierung. Unterricht soll mit neuen, digitalen Medien unterstützt werden und somit das Lehren und Lernen vereinfachen.

 

Das gilt sowohl für Hochschulen, als auch für Grundschulen. Denn besonders bei beruflichen Abschlussprüfungen sollen den Dänen mehr digitale Kompetenzen vermittelt werden, um sich für die Zukunft stark zu machen. Die Gründungslehre erhält an den Hochschulen besondere Aufmerksamkeit.

 

Und dafür werden sie von Kindesbeinen an darauf vorbereitet:  ein digitaler Zugang zu Krankenkasse, Steuer und Co. ist in Dänemark längst keine Vision mehr. Die Dänen sind heute von klein auf digitale Dienstleistungen gewohnt.

 

Die Plattform sundhed.dk ermöglicht es den dänischen Bürgern persönliche Gesundheitsinformationen und Informationen zu Ärzten und Krankenhäusern zu finden. Gestartet wurde das Projekt übrigens vor 16 Jahren: 2003.

 

Schriftstücke schicken in Dänemark sowohl Bürger als auch öffentliche Behörden kaum mehr. Die digitale Post macht es möglich – Rund 90% der über 14-Jährigen sind dort registriert und angemeldet.

 

Die Benutzer kommunizieren hierbei digital mit den dänischen Behörden und verschicken mehr als 50 Millionen Briefe pro Jahr.

'Heute sind mehr als 100 Dienstleistungsgebiete innerhalb des öffentlichen Sektors digitalisiert und ca. 90 Lösungen funktionieren so gut, dass sie obligatorisch gemacht wurden – hierunter Digitale Post und Steuerangabe.', so die dänische Botschaft auf ihrer Website.

Ideenschmiede Kopenhagen für digitale Startups

 

Kopenhagen ist nicht nur die Hauptstadt Dänemarks, sondern vielleicht auch eine Hauptstadt der StartUp-Ideen. Eine Vielzahl an erfolgreichen Startups wurde hier gegründet. Die Initiative “Copenhagen, for the win” (CPHFTW) unterstützt seit 2013 die Startup- und Gründerszene der Großstadt.

 

Was damals mit 70 Investoren und Entrepreneuren begann, ist heute ein riesiges Netzwerk. Von Gründern für Gründer, das ist die große Mission.

 

Außerdem werden einige Co-Working-Spaces, Büros sowie Co-Living-Spaces von verschiedensten Institutionen und Inkubatoren in Kopenhagen angeboten.

 

Hier dürfen natürlich auch die Veranstaltungen nicht fehlen. Zu den Events zählen unter anderem Workshops, Meetups, aber auch Vorträge, die auch gerne in der “Townhall” gehalten werden.

Der Anstatz, von bereits existierenden Unternehmen und Startups zu lernen, macht sich definitiv bezahlt. In der dänischen Hauptstadt wurden schon so einige erfolgreiche Startups und Unternehmen großgezogen.

 

Die Dänen sind ein offenes, experimentierfreudiges Volk. Besonders Tech- und Softwarelösungen werden hier gezielt entwickelt und perfektioniert.

 

Und das trägt natürlich auch zur Digitalisierung sowie der Etablierung neuer Technologien in Dänemark enorm bei. Die Gründerszene in Kopenhagen zählt heute an die 400 Startups in ihrem Netzwerk.

 

 

 

Mobilepay – die bargeldlose Revolution aus Kopenhagen

 

Die Dänen sind tatsächlich schon seit Jahren auf dem Weg zum sicheren, bargeldlosen Bezahlen. Noch vor der Gründung der Initiative “Copenhagen, for the win” hat ein Projekt der „Danske Bank“ im Jahre 2013 für Furore gesorgt: Mobilepay.

 

Eine App, mit der man digital per QR-Code Scan oder via Telefonnummer direkt Geld an Dienstleister, Freunde und Co. senden kann. Das System ist simpel: das Konto ist mit einer Telefonnummer verbunden, von der aus die Transaktionen durchgeführt werden können. Man kann sowohl Geld senden, als auch empfangen.

 

Über kleine Schildchen, Sticker, oder einfach ein selbstgedrucktes A4 Blatt, auf denen sich der Code zum Scan befindet, können Transaktionen durch durchgeführt werden.

 

Selbst auf den kleinsten Märkten in den winzigsten, abgelegensten Dörfern liest man oft den Hinweis „Jeg har Mobilepay“ – „Ich habe Mobilepay“. Das verblüffende: nicht nur die junge Generation der Dänen setzt auf die digitalisierte Art des Bezahlens. Besonders in den ländlichen Regionen sind das auch vermehrt Menschen im Alter von über 40 Jahren.

 

Das Prinzip ist einfach: Das Mobilepay Konto wird zuerst mit Guthaben versorgt. Scannt man nun einen passenden Mobilepay-QR-Code kann man den Betrag und Verwendungszweck angeben. Alternativ zum Scan kann, ähnlich wie bei einer Überweisung, der Empfänger angegeben werden. Abgeschickt und fertig!

Dies trägt – zusätzlich zu den staatlichen Methoden – zu einer außerordentlichen Digitalisierung der ländlichen Regionen und deren Bewohner bei. Durch die Verwendung der App gewöhnen sich die Menschen hier mehr an neue Technologien und erkennen ihren Nutzen.

 

Mobilepay ist heute mit mehr als einer Million Transaktionen täglich ein voller Erfolg. Im Dezember 2018 hat der Dienst allein in Dänemark die Marke der 4 Millionen Nutzer geknackt.

 

70% des dänischen Volkes nutzt jetzt Mobilepay. Aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Bargeld beschloss die dänische Nationalbank übrigens bereits 2014, den Druck von Banknoten und die Herstellung von Münzen in den Folgejahren einzustellen.

 

 

 

billy – eine Verwaltungssoftware der Extraklasse

 

Digitalisierung in Dänemark ist auch außerhalb der staatlich subventionierten Strategien und Projekte für Unternehmen jeder Größe omnipräsent. Kompatibel mit Mobilepay ist das Verwaltungssystem „billy“.

 

Während man oft in einem Passwort- und Account-Chaos versinkt, bedient billy alle Bedürfnisse eines Unternehmens und eines jeden Selbstständigen: Rechnungserstellung und -verwaltung, die Erstellung von Angeboten mit der Möglichkeit Verträge sofort digital auf dem Computer zu unterzeichnen.

 

Das Tool bietet außerdem eine Lagerverwaltung mit komplettem Inventar und Lagermanagement. Für Subscription-Geschäftsmodelle gibt es auch hier die Möglichkeit die Abonnements der Kunden zu verwalten und gegebenenfalls zu verändern.

Kompatibel ist billy mit Shopify, Magento und einer Vielzahl von anderen Shopsystemen und Bezahlungsmöglichkeiten, darunter eben auch Mobilepay. billy ist jedoch an keines der genannten Tools gebunden.

 

Nutzbar ist die Software auf mobilen Endgeräten und Desktop-Computern. Mit einer Vielzahl von anderen Funktionen und einer guten Benutzerfreundlichkeit bietet billy Unternehmen jeder Größe eine einzige Lösung für die Verwaltung ihrer Daten, Kunden, Rechnungen uvm. Das Beste daran: es gibt sogar eine kostenlose Version des Tools.

 

 

 

Fazit: Dänemark hat die Nase vorn

 

In einer Zeit, in der es vom Papier hin zum digitalen Textdokument, vom Gemälde zur komplexen RGB Matrix und von einem Haufen herumliegender Daten in Papierform zur Datenbank geht, werden Ideen geboren und die Welt verändert.

 

Einfacher und von überall zugreifbar – diese und viele weitere Visionen werden uns die nächsten Jahre begleiten. Die Digitalisierung ist ein wichtiger und essenzieller Aspekt für die Zukunft, vor dem man keine Angst haben muss. Egal ob als Einzelhändler, Privatperson oder großes Unternehmen.

 

Dänemark ist besser digitalisiert als die meisten EU Staaten. Um Welten besser als Deutschland. Während die Dänen seit Anfang der 2000er Dienst nach Dienst digitalisieren, treten wir nahezu auf der Stelle – nicht nur im öffentlichen Sektor.

 

Mit Startups und Unternehmen wie Mobilepay und billy, die ihre Produkte und Leistungen innovativ und lösungsorientiert entwickeln, ist Dänemark im Bereich der Digitalisierung am Puls der Zeit.

 

Es wird experimentiert und auch ausprobiert. Die Dänen sind auch bereit, Neues auszuprobieren, folgen dabei aber in der Regel den Build-Measure-Leran-Prinzipien also kontrollierten Feedback-Loops. In Deutschland gibt es ebenfalls Maßnahmen und Alternativen, doch diesen wird mit teilweise hoher Skepsis begegnet und sind bei weitem nicht so gut etabliert wie in Dänemark.

 

Doch ist es für Deutschland in Sachen Digitalisierung tatsächlich zu spät, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben? Wie sieht das bei Kleinen und Mittelständischen Unternehmen aus? Es bedarf klarer Ziele, etwas Experimentierfreudigkeit und neue Ideen: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Avatar for Bjarne Seidel
Bjarne Seidel

Leidenschaftlicher Fotograf. Gründer von Blindbirdy Productions und Student der Medieninformatik an der Hochschule Hof.

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Kommentar
Name
E-Mail
Website