One-stop: The Startup Success Journey
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One-stop: The Startup Success Journey

Gründungsberatung braucht Struktur und Erfahrung!

 

Startups zu beraten und zu vernetzen schreiben sich viele auf die Fahne. Aber sind die Bemühungen effizient? Qualitätskriterien für gute Gründungsbegleitung sind erst in den letzten Jahren entwickelt bzw. erforscht worden. Dabei kristallisiert sich heraus: Startups zum Erfolg bringen kann am besten, wer auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Nur wer echte unternehmerische Situationen im Spannungsfeld von Liquidität, Kunden und Führung selbst erlebt hat, weiß, worum es bei einer Unternehmensgründung geht. Mit der Weitergabe von Informationen oder dem Vermitteln von Gesprächspartnern allein ist es nicht getan.

 

Mal ehrlich, was Gründer wirklich benötigen sind nicht weitere Events, in denen eine neue Gründungskultur gefordert wird. Staatliche Institutionen verstehen sich leider zunehmend entweder als Veranstaltungsmanager oder als Lotsen, die Gründer nach einem Erstgespräch lediglich weitervermitteln. Um was geht es wirklich bei einer Existenzgründung? Zunächst ist eine Existenzgründung ein „Sich einlassen“ auf eine Lebensform, die teilweise durchaus Ähnlichkeiten mit Hochleistungssport haben kann. Gute Gründungsbegleitung muss Klärungsprozesse herbeiführen, in denen angehende Gründer für sich entscheiden können, ob die Selbstständigkeit etwas für sie ist. Sehr gutes Zeit- und Selbstmanagement sind dabei ebenso wichtig wie Leistungsmotivation, Kreativität, Selbstbewusstsein und Offenheit. Es ist eben nicht so, wie es ein idealistisches Menschenbild gerne hätte, nämlich dass jeder Unternehmer werden könne. Das englische Sprichwort: Anyone can be an entrepreneur, but not everyone.“ trifft den Nagel auf den Kopf. In einer Gesellschaft mit Gewerbefreiheit kann sich zwar jeder einen Gewerbeschein besorgen, aber unternehmerischer Erfolg ist etwas anderes.

 

Wenn das Geschäftsmodell von selbst läuft kann es zwar Phasen geben, in denen das Geldverdienen von selbst läuft. Dies ist aber in den Gründungsjahren eher selten der Fall. Entscheidend für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg ist darüber hinaus die Bewältigung von Krisenphasen, in denen der sog. Pivot ansteht, also ein radikales Hinterfragen und Neudenken des Geschäftsmodells. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Mir sagte einmal ein Unternehmer: solche Phasen erlebt man wie einen Klippensprung, bei dem man sich vom Absprung bis zum Eintauchen An- und Ausziehen muss – Multitasking auf allen Ebenen also. Dies ist auch eine besondere Herausforderung für die Gründungsunterstützung. Ohne Erfahrung ist die Beratung von Startups in solchen Phasen nicht möglich. Gute Kenntnisse der betriebswirtschaftlichen Tools sind dabei eine notwendige, aber eben keine hinreichende Voraussetzung. Wenn es darum geht, komplexe Prozesse zu strukturieren, sind zudem Führungsqualitäten gefragt. Und ganz wichtig sind soft skills und ein gutes Fingerspitzengefühl für sein Gegenüber.

 

Eine gute Startup success journey ist eingebettet in ein Hochschul-Ökosystem mit seinen hervorragenden Ressourcen. Diese können für Gründer ein entscheidender Startvorteil sein. Vor allem aber helfen sie, kostspielige Fehler zu vermeiden. Eine qualifizierte Gründungsberatung ist dabei die Spinne im Netz, und bündelt diese Angebote im Sinne einer one-stop-agency: alle Fragen können auf kürzesten Wegen schnell beantwortet werden. Netzwerke können diese Steuerungszentrale ergänzen, aber nicht ersetzen. Aus meiner Sicht werden die Anforderungen an eine qualifizierte Gründungsberatung stark unterschätzt.

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Prof. Dr. Michael Seidel

Professor an der Hochschule Hof, Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Entrepreneurship und Regionalmanagement, dort auch umfangreiche Forschungsprojekte. Background als Unternehmer und immer Gründungsberater aus Leidenschaft. Autor: Regionalmarketing als räumliches Steuerungs- und Entwicklungsinstrument. Grundlagen – Konzepte – Fallbeispiele.

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