Wettlauf mit Silicon Valley: Turbo Digitale Gründerzentren
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Clash of StartUp-Culture

Wettlauf mit Silicon Valley: Turbo Digitale Gründerzentren

Andreas Barthelmess, Entrepreneur und „digital insider“, kommentierte in einem Gastbeitrag auf SPIEGEL.de die Entwicklung der StartUp-Szene in Deutschland im Verleich zum Silicon Valley und fordert politische Reformen im europäischen Raum. Unter dem Titel “Europa, verheize deine Talente nicht” beschreibt und analysiert er die Gründerszene in Deutschland/Europa und arbeitet als wichtigsten Punkt heraus, dass sich das Silicon-Valley nicht verpflanzen läßt. Die USA hätten einfach einen großen digital-affinen Markt, Top-Talente aus der Naturwissenschaft sind industrieaffiner und im Valley entstünden Netzwerk-Effekte auf einer großen Skala. Yepp, da hat er recht. Die Aktivitäten, die in Deutschland zur Zeit ausgerollt werden, beschreibt er als weniger sexy und erfolgversprechend.

 

Kommunen schaffen digitale Gründerzentren. Länder, Bund und Brüssel legen Förderprogramme auf. Hubs werden herbeigeredet. Denn Hub, Lab und Accelerator klingen cool und kalifornisch…

 

Seine Analyse der US-Erfolgsfaktoren lässt ihn fordern:

 

Oder aber wir erkennen endlich die monopolistische Selbstverstärkung des Digitalen, die Macht der Größe, die den digitalen Markt im Innersten zusammenhält und trauen uns an politische Reformen. Dann schaffen wir einen homogenen europäischen Markt, brechen durch scharfe Regulierung die Monopole von Google, Facebook und Co und besteuern sie endlich so wie andere europäische Unternehmen.

 

Ok, natürlich können wir das als digitales Gründerzentrum nicht so einfach stehen lassen:

 

Das Silicon-Valley kann man als Außenstehender nicht verstehen.

 

Dies bringt Alois Kastner-Maresch, ein begeisterter Unternehmer und Entrepreneur, der sich auch bei unserem Gründerzentrum engagiert glasklar auf den Punkt. Wir haben nicht diese disruptive Einstellung, wir sind anders aufgewachsen, wir sind anders sozialisiert, wir haben ein anderes Werteverständnis als die digital-nerds aus Kalifornien. Und wir brauchen uns auch gar nicht die Mühe zu geben so sein zu wollen. Wir müssen und werden zu unserer eigenen digitalen Identität finden, als Entre- oder Intrapreneur. Wer glaubt, dass es in absehbarer Zeit einen homogenen europäischen Markt gibt vor dem Hintergrund des Brexit, der aufstrebenden nationalen Strömungen in vielen europäischen Ländern und der Fülle der gesellschaftlichen Themen, der hängt einer Illusion nach.

 

Mögen die “Hub”, “Lab” und “Accelerator” sowie die digitalen Gründerzentren vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es entstehen aber in jedem Fall virulente Netzwerke und ein Klima, das wachstumsorientierte Projekte fördert. Die typische deutsche Gründlichkeit ist viel mehr der Schlüssel zum Erfolg als der Ruf nach Regulierung. Wobei wir natürlich auf gleiche Wettbewerbsbedinungen achten müssen: Stichwort Netzneutralität für Gründer.

 

Unsere besonder Aufgabe ist: In der Fläche Talente erkennen, früh fördern und große Ziele kommunizieren… in der Industrie ein Erfolgsmodell, bei dem wir in Deutschland/Europa großartige Gemeinschaftsleistungen bringen. Das kann bei der Digitalisierung genau so laufen und die Hubs und Gründerzentren sind der Ausdruck dieses Willens zum Erfolg und ein Baustein.

 

Wenn wir die Realitäten nüchtern zur Kenntnis nehmen, mit kaltem Herzen Silicon Valley analysieren und mit heißem Herzen unser Ding weiter entwickeln, können wir einen eigenen Weg finden. In der europäischen Infrastruktur und der akribischen Herangehensweise entsteht ein Gegengewicht zum Silicon Valley. In Deutschland entwickelt sich eine vielfältige Struktur, die hierarchische und zugleich netzwerkorientierte Ausprägungen hat. Neben den Deutschland-Hubs entwickelt Bayern mit Gründerland.bayern, Bayern-Capital und BayStartUP übergeordnete und mit den digitalen Gründerzentren in den Regierungsbezirken Anlaufstellen für Gründer. Und es sind nicht nur Anlaufstellen, sondern dort wirken höchst aktive und engagierte „Vernetzer“ und „Evangelisten“, die in die Wirtschaft, die Hochschulen und alle gesellschaftlichen Bereiche hinein wirken. Dieses in die Basis und Fläche hinein wirkende Konzept hat Vorbilder unter anderem im Sport: Weltmeister Dank Talentförderung. Im Fußball ist das schon einmal eindrucksvoll durchgezogen worden. Bei den Startups gehen wir es gerade an.

 

Eine Kultur wie in den USA braucht man nicht nachmachen. Den europäischen Markt soll man natürlich weiterentwickeln – aber in der Zwischenzeit können wir jede Chance nutzen, den eigenen Weg zur Autobahn oder auf „Kalifornisch“ zur „Intergalaktischen Hyperschall-Bahn auszubauen“. Motto: Disrupt Google, Facebook & Co.

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Hermann Hohenberger

Phase 1 im Berufsleben: Privater Hörfunk, Moderation, Vertrieb, Studioleitung, Geschäftsführung. Phase 2: Internet: M&A, Geschäftsführung, Vertriebsaufbau, SEO, Troubleshooting. Und jetzt: 2. Karriere: als Geschäftsführer hier Gründer motivieren, unterstützen und die Region weiter bringen.

2 Kommentare
  • Avatar for Hermann Hohenberger
    Gepostet um 11:19, 7. Dezember 2017

    Wir müssen wahrlich niemanden kopieren. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft zeigt es. Oft bewundern internationale Kollegen der Startupszene die deutsche Gründlichkeit, wie wir Dinge angehen. Vor allem aber zeigen die ganzen im Artikel erwähnten erwähnten Initiativen, dass sie etwas “machen”. Das sie etwas “machen wollen” und dass es Vorbilder hier bei uns gibt.
    Das berühmte Valley ist kein Ort, es ist eine Lebenseinstellung und Arbeitshaltung. Und die haben wir auch. Vor allem die, die etwas “machen” wollen.

  • Avatar for Hermann Hohenberger
    Gepostet um 22:45, 7. Dezember 2017

    Das, was Politik und Entscheider in vielen Vorstandsetagen jahre- oder jahrzehntelang verschlafen haben (#Neuland…), holt man nicht auf einmal oder mit dem Vorschlaghammer nach, kleine Schritte, dezentral, verteilt auf viele Schultern bewirken Kulturwandel. Regionale Gründerzentren, die auch auf die besonderen Bedingungen vor Ort eingehen können, sind dabei ein wichtiges und effektives Instrument – das zeigt sich ja gerade auch in Hof… 😉
    Nichtsdestotrotz: In der Politik, gerade in Bayern, bleibt viel zu tun. Die entsprechende Bildungspolitik ist da meist noch sehr aktionistisch und oft sogar digital-feindlich unterwegs – wie etwa das immer noch bestehende peinliche Handyverbot an bayerischen Schulen (außerhalb der Schulstunden) zeigt …

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